Warum ein Bad der teuerste Quadratmeter der Wohnung ist
Das Badezimmer ist der teuerste Quadratmeter einer Wohnung, und dafür gibt es einen sachlichen Grund: Auf vier bis sechs Quadratmetern treffen fünf Gewerke aufeinander. Sanitär, Abdichtung, Plattenleger, Elektro und Lüftung müssen in einer festen Reihenfolge arbeiten, jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf, und die meisten davon verschwinden nach Fertigstellung hinter Platten. Deshalb liegt ein Bad pro Quadratmeter um ein Vielfaches über dem, was ein Wohnzimmer kostet.
Frankenbeträge nennen wir hier bewusst nicht: Zwei Bäder mit identischer Grundfläche können sich im Aufwand um ein Vielfaches unterscheiden, je nachdem, was hinter den Platten zum Vorschein kommt. Nützlicher als eine Zahl ist deshalb das Verständnis, welche Positionen ein Bad teuer machen — daran erkennen Sie auch, ob in einer Offerte etwas fehlt.
Der entscheidende Unterschied ist nicht die Ausstattung, sondern die Frage, ob die Platten liegen bleiben: Ein komplett neues Bad und eine Auffrischung sind zwei verschiedene Projekte, keine zwei Ausbaustufen desselben Projekts. Sobald die Platten runterkommen, ist die Verbundabdichtung fällig — und damit ist der Grossteil der Kostendifferenz erklärt.
Was die Spanne nach oben oder unten verschiebt
Zwei Bäder mit identischer Grundfläche können sich im Preis um den Faktor zwei unterscheiden, ohne dass eines davon überteuert wäre. Die Gründe liegen fast nie beim Handwerkerlohn, sondern bei Substanz, Material und Zugänglichkeit. Wer eine Offerte beurteilen will, prüft deshalb zuerst, welche der folgenden Punkte im Angebot berücksichtigt sind.
- 01Zustand der Leitungen — sind Wasser- und Abwasserleitungen am Ende ihrer Lebensdauer, werden sie sinnvollerweise gleich mitersetzt. Das ist Mehraufwand jetzt und gesparter Rückbau in fünf Jahren.
- 02Verschieben von Anschlüssen — bleibt das WC, wo es war, ist es günstig. Wandert es an eine andere Wand, kommen Bodenaufbau, Gefälle und teils Stemmarbeiten dazu.
- 03Plattenformat — Grossformate und Mosaik brauchen deutlich mehr Zeit als Standardformate. Das Material ist selten der Treiber, die Verlegezeit schon.
- 04Ausstattungsniveau — zwischen Standardarmatur und Designserie liegen bei identischer Funktion mehrere Tausend Franken.
- 05Zugänglichkeit — Altbau ohne Lift, enges Treppenhaus, keine Stellfläche für die Mulde: jeder Transportweg kostet Arbeitszeit.
- 06Stockwerkeigentum und Mietverhältnis — Bauanzeige, Lärmzeiten und Etappierung im bewohnten Objekt verlängern den Ablauf.
Auffrischen oder komplett ersetzen — wann welcher Weg trägt
Nicht jedes Bad, das alt aussieht, muss ausgebaut werden. Sind die Platten intakt, die Fugen dicht und die Leitungen in Ordnung, bringt eine Auffrischung erstaunlich viel: neue Armaturen, neues WC und Lavabo, saubere Silikon- und Fugensanierung, bessere Beleuchtung. Das Ergebnis wirkt neu, kostet aber einen Bruchteil und ist in wenigen Arbeitstagen erledigt — für Verwaltungen bei einem Mieterwechsel oft die wirtschaftlich richtige Entscheidung.
Der komplette Ersatz drängt sich auf, wenn eines von drei Dingen zutrifft: Es gibt Anzeichen von Feuchtigkeit hinter den Platten, die Leitungen sind am Ende ihrer Nutzungsdauer, oder der Grundriss soll ohnehin verändert werden. In diesen Fällen ist die Auffrischung keine günstige Alternative, sondern eine verschobene Rechnung — und zwar eine, die mit Folgeschäden grösser wird statt kleiner.
Die ehrliche Antwort auf die Frage, welcher Weg der richtige ist, lässt sich am Telefon nicht geben. Sie ergibt sich aus dem Zustand der Fugen, dem Alter der Steigleitung und dem, was hinter der Revisionsklappe zu sehen ist. Genau dafür ist die Besichtigung da, und genau deshalb ist sie bei uns kostenlos.
Die Abdichtung: der Posten, an dem sich nicht sparen lässt
Platten sind nicht wasserdicht. Was ein Bad dicht hält, ist die Verbundabdichtung darunter — eine Schicht, die niemand je sieht und die trotzdem darüber entscheidet, ob in drei Jahren die Decke der Nachbarwohnung Flecken bekommt. Sie ist eine der wenigen Positionen einer Renovation, bei der ein Fehler nicht durch Nacharbeit korrigiert werden kann: Zur Kontrolle müsste alles wieder heraus.
In auffällig günstigen Bad-Offerten ist die Abdichtung genau der Posten, der fehlt oder in einer Sammelposition verschwindet. Das ist kein Zufall, sondern die einfachste Möglichkeit, ein Angebot optisch attraktiv zu rechnen — der Kunde kann es nicht prüfen, und die Folgen zeigen sich erst nach der Gewährleistungsdiskussion. Achten Sie darauf, dass die Abdichtung als eigene Position erscheint und dass dokumentiert wird, bevor die Platten darauf kommen.
Wir fotografieren die fertige Abdichtungsschicht vor dem Verlegen und legen die Aufnahmen dem Abnahmeprotokoll bei. Für Eigentümer und Verwaltungen ist das im Schadenfall der Unterschied zwischen einer Diskussion und einem Nachweis.
Ablauf und Dauer einer Bad-Sanierung
Eine Komplettsanierung dauert in der Regel drei bis vier Wochen, eine Auffrischung drei bis fünf Arbeitstage. Diese Zeit lässt sich nur begrenzt komprimieren, weil ein Teil davon Trocknungszeit ist: Abdichtung, Kleber und Fugenmasse brauchen ihre Stunden, unabhängig davon, wie viele Leute auf der Baustelle stehen. Wer eine Komplettsanierung in einer Woche verspricht, spart entweder an diesen Zeiten oder an der Reihenfolge.
- 01Besichtigung und Aufmass, Prüfung von Leitungen, Untergrund und Zugangswegen.
- 02Offerte Position für Position, Materialauswahl, Werkvertrag mit fixem Beginn und Übergabedatum.
- 03Rückbau und Entsorgung, Freilegen von Anschlüssen — hier zeigt sich, ob der Bestand hält, was er versprochen hat.
- 04Rohinstallation Sanitär und Elektro, Anpassung von Leitungen und Dosen.
- 05Verbundabdichtung inklusive Fotodokumentation, danach Platten und Verfugung.
- 06Montage der Apparate und Armaturen, Silikonarbeiten, Beleuchtung und Lüftung.
- 07Druck- und Dichtigkeitsprüfung, Reinigung, Abnahme mit Protokoll und Fotos.
Wo sich sinnvoll sparen lässt — und wo nicht
Sparen im Bad ist möglich, aber nur an den richtigen Stellen. Am wirksamsten ist, die bestehende Anordnung von WC, Dusche und Lavabo beizubehalten: Wer nichts verschiebt, spart Stemmarbeiten, Bodenaufbau und einen erheblichen Teil der Sanitärstunden. Der zweite grosse Hebel ist das Material: Standardformate und solide Serienarmaturen erfüllen dieselbe Funktion wie Designprodukte, und man sieht den Unterschied nach zwei Jahren Nutzung kaum noch.
Nicht sparen sollte man an drei Dingen: an der Abdichtung, am Ersatz alter Leitungen, wenn sie ohnehin freigelegt sind, und an der Lüftung. Eine unterdimensionierte oder fehlende Entlüftung ist die häufigste Ursache für Schimmel in sonst einwandfrei sanierten Bädern — und der Schaden trifft am Ende nicht den Handwerker, sondern den Eigentümer.
Für Verwaltungen mit mehreren gleichartigen Einheiten kommt ein dritter Hebel dazu: die Serie. Werden mehrere Bäder mit denselben Materialien und derselben Ausführung geplant, sinken Einkauf, Rüstzeit und Koordinationsaufwand pro Einheit spürbar — und die Dokumentation wird über das Portfolio hinweg vergleichbar.
Was in einer seriösen Bad-Offerte stehen muss
Vergleichen lassen sich Angebote nur, wenn sie denselben Umfang beschreiben. Fordern Sie deshalb bei jedem Anbieter dieselbe Gliederung ein — und misstrauen Sie Offerten, die ein Bad in zwei Zeilen abhandeln. Die folgende Liste ist das Minimum, das eine Bad-Offerte enthalten sollte.
- 01Rückbau und Entsorgung als eigene Position, inklusive Mulden und Transport.
- 02Verbundabdichtung separat ausgewiesen, mit Angabe des Systems.
- 03Plattenmaterial mit Format und Menge, Verlegeart und Fugenbild.
- 04Sanitärapparate und Armaturen einzeln mit Modellangabe statt als Sammelposten.
- 05Elektro- und Lüftungsarbeiten, inklusive allfälliger neuer Dosen und Schalter.
- 06Bauschlussreinigung, Abnahmeprotokoll und Fotodokumentation.
- 07Beginn, Übergabedatum und Gewährleistung schriftlich im Werkvertrag.